Was zu sagen ist

Bereits in der Nacht zu Donnerstag, dem 20. Februar hatte ich per Twitter erfahren, das Menschen in erschossen wurden. Hintergründe gab es noch nicht. Ein ungutes Gefühl aber keine Fakten.
Donnerstag früh stellte sich sehr bald heraus, das die Morde aus rassistischer Motivation erfolgten. Die ersten Meldungen nannten den Namen des Täters, verbreiteten Teile seiner Ideologie, der Focus sprach gar von „Shisha-Morden“.
Die Betroffenen- und Opferperspektive spielte zu dem Zeitpunkt nur eine untergeordnete Rolle.
Ich habe mit Freund*innen gesprochen, was man abseits der Aufrufe zu Gedenkveranstaltungen tun könne. Die Perspektive der von betroffenen Menschen verbreiten, ihre Forderungen retweeten, eigene Positionen erstmal zurück stellen.

Um 17 Uhr begann in die Gedenkveranstaltung auf der Johannisstraße. Wut und Trauer mischten sich und ich musste es rauslassen. Es entstand ein thread bei Twitter, den ich auf Bitten von mehreren Leuten nun außerhalb von Twitter in einem Text veröffentliche.

Ich muss es sagen.‬
‪Jedes Mal: nach #, nach Mord an Herrn #, nach #… gab es große Worte & Erklärungen. Jedes Mal. Geändert hat sich nichts. Im Gegenteil: es ist schlimmer geworden. Täglich finden rechte An- & Übergriffe statt. Empörung gibt es kaum. #Hanau #thread ‬

‪Nazis & #Rassisten wird wenig Widerspruch geleistet aus sogenannter bürgerlicher Mitte.‬
‪Die #AfD, deren Ideologie Boden für derartige Taten bildet, wird hofiert, ihr holt sie in Talkshows, ihr lasst sie Kommentare in Zeitungen schreiben, ihr verbreitet & legitimiert ihren .‬

‪Ihr schüttelt ihnen die Hände, ihr grüßt sie, ihr lacht mit ihnen, ihr stimmt auch mit ihnen ab. Ihr fordert teils Koalitionen mit der AfD, ihr setzt links und rechts gleich. ‬
‪Ihr redet über brennende Mülltonnen & im selben Atemzug von ermordeten Menschen. ‬

‪Ihr diskreditiert und kriminalisiert Antifaschist*innen, ihr entzieht antifaschistischen Vereinen die Gemeinnützigkeit, erklärt bei extrem rechten Polizisten & -Angehörigen immer schnell, es seien Einzelfälle gewesen.‬

‪Ihr vernichtet Akten, die zur Aufklärung des #NSU-Komplexes beitragen könnten, ihr stuft sie für Jahrzehnte als „geheim“ ein. ‬
‪Ihr lasst Betroffene allein, hört ihnen nicht zu, nehmt ihre Stimmen nicht ernst. ‬
‪Ihr redet von #Niewieder und habt es längst aufgekündigt. ‬

‪Ihr warnt vor antifaschistischer Recherche, um sie im nächsten Moment als vermeintlich eigene Erkenntnisse zu nutzen. ‬
‪Ihr warnt nicht nur vor antifaschistischen und antirassistischen Demonstrationen, ihr diffamiert auch das Logo „Antifaschistische Aktion“ als „Linksextremismus“.‬

‪Ihr putzt Stolpersteine am 9. November, veröffentlicht Fotos davon und lächelt am nächsten Tag wieder zu. ‬
externalisiert ihr und weist ihn gerne ausschließlich Muslim*innen zu, um anschließend wieder von „wir“ und „denen“ zu .‬

‪Ihr redet von Menschlichkeit und lasst Menschen im Mittelmeer verrecken, weigert euch sogar, Kinder hierher zu holen, trotzdem Städte & Bundesländer diese aufnehmen wollen.‬
‪Ihr verurteilt #Rassismus wenn man euch danach fragt und beschließt gleichzeitig rassistische Gesetze. ‬

‪Bürgermeister*innen treten aufgrund rechter Hetze zurück. Menschen äußern sich nicht mehr öffentlich aufgrund folgender Hassnachrichten. Betroffene ziehen weg. Innerhalb Deutschlands aber auch raus.‬
‪Verurteilte #Nazis laufen 6 Jahre nach den Taten weiter frei herum. ‬

‪Ihr kündigt Verbot von #Combat18 an, nachdem ihr über Monate & Jahre Warnungen & Recherchen von Antifaschist*innen ignoriert & Inhalte sogar geleugnet habt. ‬
‪Ihr setzt es nicht wirklich um, erklärt #C18 habe nur 7 Mitglieder, nehmt niemanden fest, lasst sie faktisch weitermachen.‬

Ihr lest und verbreitet rechte, Verschwörungstheoretikern, rassistische Websites & Artikel. Ihr macht „Home-Storys“ mit dem Stichwortgeber von Höcke. Ihr verbreitet das Bekennerschreiben, Video, den Namen des Täters.‬

‪Ihr redet von „Schießerei“, wenn es ein Terroranschlag war. Ihr sagt/ schreibt „fremdenfeindlich“ anstelle „rassistisch“, bestätigt damit die Trennung der Gesellschaft in „Fremde“ und „Einheimische“.

‪Es ist so oft schon alles gesagt, geschrieben, erklärt. So oft. Von so vielen. Es ist analysiert, politisch dargestellt, außerparlamentarisch auf die Straßen gebracht. ‬
‪Es gibt kaum feststellbare Änderungen. Und das macht unglaublich müde. ‬

Was wichtig bleibt:
#SayTheirNames

Gökhan Gültekin

Ferhat Ünvar

Mercedes Kierpacz

Sedat Gürbüz

Hamza Kurtović

Kalojan Welkow

Vili Viorel Pǎun

Fatih Saraçoğlu

Said Nesar El Hashemi

Frau R.
#Hanau

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