Anlässlich des heutigen Urteils des Oberlandesgerichtes Dresden im Prozess der NSU-Helferin Susann Eminger erklärt Katharina König-Preuss, Sprecherin für Antifaschismus der Fraktion Die Linke im Thüringer Landtag: „Die Verurteilung von Susann Eminger als NSU-Unterstützerin kommt äußerst spät, ist 15 Jahre nach der Selbstenttarnung des NSU aber dennoch ein wichtiges Signal. Das Urteil bestätigt, was den Angehörigen der NSU-Opfer und Antifaschist*innen schon lange klar war: Susann Eminger hat von den Morden gewusst und das NSU-Kerntrio aktiv unterstützt. Auch der unermüdlichen Arbeit von Angehörigen, Betroffenen und Antifaschist*innen ist es zu verdanken, dass sie heute verurteilt wurde.
Das Gericht bleibt mit seinem Strafmaß unterhalb der Forderung des Generalbundesanwalts, folgte ihm mit dem Urteil aber bezüglich der Verurteilung wegen der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung. Es sah es damit als erwiesen an, dass Susann Eminger von den NSU-Morden wusste und Zschäpe ihre Krankenkassenkarte und ihre Personalie für Bahncards bewusst überlassen hat und Zschäpe und Böhnhardts zum Abholtermin für ein Wohnmobil gefahren hat. Damit mache sie sich neben der Unterstützung einer terroristischen Vereinigung auch konkret der Beihilfe der besonders schweren räuberischen Erpressung in Eisenach schuldig.
Auch wenn die Verurteilung von Eminger zu begrüßen ist, gilt weiterhin, dass gegen die meisten NSU-Helfer nie ermittelt oder die Verfahren eingestellt wurden. Nach der Haftentlassung des NSU-Unterstützers Ralf Wohlleben ist Zschäpe die Einzige, die für die Morde des NSU aktuell noch in Haft sitzt. Zschäpe macht auch weiterhin keine Aussagen zum Netzwerk des NSU und schützt es damit. Eine lückenlose Aufarbeitung des NSU-Komplexes sieht anders aus. Ein Schlussstrich kann auch weiterhin nicht gezogen werden. In Thüringen wurde erst kürzlich bestätigt, dass es mit Rolf Baginski ein elftes Todesopfer im NSU-Komplex gibt. Dieser Fall muss jetzt anerkannt werden und es müssen antifaschistische Strukturen, die sich für die Aufarbeitung des NSU, gegen Rechtsextremismus und für Opfer rechter Gewalt einsetzen, gestärkt werden. Nur so können auch weitere rechtsterroristische Taten verhindert werden.“
