Willkommen auf der Homepage des Jugend- und Wahlkreisbüro Haskala. Katharina König-Preuss (MdL) Sprecherin für Antifaschismus, Netzpolitik & Datenschutz der Fraktion DIE LINKE im Thüringer Landtag

DNA von Böhnhardt bei Ermittlungen zum Fall „Peggy“ gefunden

banner_naziterrorDas ist eine etwas überraschende neue Entwicklung rund um den Nationalsozialistischen Untergrund: Die DNA von Uwe Böhnhardt ist an einem Stoffstück gefunden worden, welches sich in der Nähe der sterblichen Überreste von Peggy befand. Peggy, damals neun Jahre alt, verschwand 2001 und wurde erst in diesem Jahr aufgefunden. Bisher ist völlig unklar, welche Tragweite dieser Fund hat. Letztlich muss hier noch ermittelt werden und Fehler ausgeschlossen werden. Eine Kontaminierung oder Verwechslung von DNA-Proben ist immerhin möglich – die Medien erinnern in diesem Zusammenhang nicht umsonst an den Fall des „Phantoms von Heilbronn“, wo jahrelang nach einem Serienmörder gefahndet wurde, ehe man bemerkte, dass die bei vielen untersuchten Fällen aufgefundene Genspur von der Mitarbeiterin eines Verpackungsbetriebs für Wattestäbchen stammte. Auch im Fall der vom NSU in Heilbronn ermordeten Polizistin Michèle Kiesewetter waren diese verfälschten Spuren aufgetaucht, doch ein Fehler im Labor ist im Falle des NSU weit unwahrscheinlicher. [Update: Die DNA von Uwe Böhnhardt haben Rechtsmediziner des Landeskriminalamts in München untersucht. Entgegen anders lautender Medienberichte waren die Rechtsmediziner in Jena nur im Fall der gefundenen Leiche von Peggy involviert und nicht bei der jetzt gefundenen Spur von Uwe Böhnhardt. Damit wird eine Verunreinigung oder Vermischung der Spuren unwahrscheinlicher.]

Zudem gibt es bezüglich des NSU einige ungeklärte Fragen, die mit Kindern zu tun haben. So blieb bis heute im Dunkeln, wem die Kinderkleidung und das Spielzeug gehören, das die Polizei in dem Wohnmobil fanden, in dem sich Böhnhardt und Mundlos im November 2011 in Eisenach selbst erschossen haben sollen. Es handelt sich um die verkohlten Überreste eines Plüschteddys, eines Kinderschuhs sowie einer Wasserpistole und einer Puppe. Überall daran fand die Polizei die DNA der beiden mutmaßlichen NSU-Terroristen. An dem Kinderschuh fand sich auch eine Spur, die bislang niemandem zuzuordnen war. Es wurde vermutet, dass es sich um das Spielzeug von Kindern der Unterstützer des Trios handeln könnte. Interessant ist das deshalb, weil Zeugen schilderten, Zschäpe und Böhnhardt seien von Kindern begleitet worden, als sie zwischen 2000 und 2011 Wohnmobile anmieteten.

Die Stuttgarter Zeitung schreibt über den Computer, der bei den Ermittlungen gegen den NSU in dessen letztem Unterschlupf gefunden wurden, dass sich auf ihm eine große Zahl pornografischer Bilder befanden. Unter diesen seien auch einige gewesen, „die den Verdacht nahe legen, einen sexuellen Missbrauch von Kindern darzustellen“, wie die damit befassten Forensiker mitteilten.

Im NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages geriet ein Ermittlungsverfahren der sächsischen Behörden gegen Zschäpe in den Blick, in dem die Staatsanwälte Ende der 1990er Jahre gegen die Rechtsextremistin „wegen Kinderpornografie“ ermittelten. Das Verfahren wurde eingestellt, weil Zschäpe, Mundlos und Böhnhardt 1998 in den Untergrund ­abtauchten. Bereits Ende der 1990er Jahre gab es immer wieder Gerüchte, dass sich Teile der rechten Szene in Europa und auch Deutschland mit dem Verkauf von Kinderpornografie im Internet finanzieren würden. Und es ist denkbar, dass sich auch das NSU-Trio im Untergrund teilweise so finnanzierte.

Eine wichtige Figur im Zusammenhang mit dem NSU, Tino Brandt, sitzt bekanntlich derzeit im Gefängnis wegen Prostitution von Minderjährigen. Aber bereits 2009 erhielt die Polizei in Suhl Hinweise, Brandt betreibe gemeinsam mit dem V-Mann „Küche“ des Thüringer Verfassungsschutzes einen Zuhälterring, der vor allem rumänische Jungen an Pädophile vermittelte.  Außerdem habe das Duo „pornografische Filme mit Kindern, welche aus Bulgarien und Rumänien kommen“, produziert. Die Ermittler stellten damals fest, dass Brandt und seine Kumpane polizeilich bereits mehrfach aufgefallen seien, unter anderem weil sie „pornografische Schriften“ verbreiteten und „sexuelle Handlungen“ förderten.

Auch Böhnhardt selbst ist mit einem weiteren mutmaßlichen NSU-Unterstützer, Enrico T., schon einmal in einem Mordfall ins Visier der Polizei geraten, in dem das Opfer ein Kind war. Enrico T. soll unter anderem geholfen haben, die Mordwaffe vom Typ „Ceska“ zu beschaffen. Beide, Böhnhardt und T., gehörten 1993 in den „erweiterten Kreis“ der Tatverdächtigen für den Mord an einem Neunjährigen, der im Juli des Jahres tot in Jena entdeckt worden war, und wurden als Zeugen vernommen. Dabei hatte sich allerdings kein weiterer Tatverdacht ergeben. Enrico T. war unter Verdacht geraten, da bloß einige Meter vom damaligen Opfer entfernt lag ein Bootsmotor, der ihm gehörte. Doch T. bestritt stets vehement, etwas mit dem Mord an dem Jungen zu tun zu haben. Sein Boot samt Motor sei ihm gestohlen worden und sein damaliger Freund Böhnhardt sei der einzige gewesen, der wusste, wo es lag. Daher vermute er, Böhnhardt könnte den Jungen ermordet und versucht haben, ihm die Tat „in die Schuhe zu schieben“. In den Untersuchungen zum NSU war der Fall wieder in den Focus gerückt, unter anderem weil ein Aussteiger aus der Jenaer Szene bei einer Vernehmung behauptet hatte, dass Enrico T. „auf kleine Kinder stehe“.

Und schließlich findet sich auch auf einer von Uwe Mundlos angefertigten Liste von Kontaktpersonen des Trios ein wegen Kindesmissbrauchs der Polizei bestens bekannter Mann aus Baden-Württemberg.

Daher zeigte sich Yavuz Narin, einer der Nebenklageanwälte im NSU-Prozess, in den Tagesthemen gestern wenig überrascht über die neue Wendung. „Nach meinen Informationen hat ein Neonazi aus dem Umfeld des Trios eine Hütte in der Nähe des Fundorts“, so Narin. Er habe bereits bei Auffinden der Knochen versucht, diesem Hinweis nachzugehen.
Bereits 2014 hatte Patrick Gensing auf einen ganz anderen Zusammenhang zwischen den Fällen „NSU“ und „Peggy“ hingewiesen, die mit dem Fund von Böhnhardts DNA noch einmal in einem anderen Licht erscheinen:

Leiter der Soko Peggy II sowie der Sonderkommission „Bosporus“ war übrigens jeweils Wolfgang Geier, der nun gleich zu zwei Fällen Stellung nehmen musste. Im Fall Peggy soll es der Behinderte (mit ausländisch klingendem Namen und türkischem Vater) gewesen sein, im NSU-Komplex die Ausländer selbst. Immer wieder wurden die Angehörigen der Opfer verhört und unter Druck gesetzt. Auch im Fall Peggy wurde in Richtung Türkei ermittelt. Zeugen wollten das Mädchen in der Türkei gesehen haben, andere mutmaßten eine Verschleppung in tschechische Bordells.

 

Oktober 14th, 2016 Tags: , 2 Kommentare

[…] „Daher zeigte sich Yavuz Narin, einer der Nebenklageanwälte im NSU-Prozess, in den Tagesthemen gestern wenig überrascht über die neue Wendung. „Nach meinen Informationen hat ein Neonazi aus dem Umfeld des Trios eine Hütte in der Nähe des Fundorts“, so Narin. Er habe bereits bei Auffinden der Knochen versucht, diesem Hinweis nachzugehen.“ (haskala) […]

[…] „Daher zeigte sich Yavuz Narin, einer der Nebenklageanwälte im NSU-Prozess, in den Tagesthemen gestern wenig überrascht über die neue Wendung. „Nach meinen Informationen hat ein Neonazi aus dem Umfeld des Trios eine Hütte in der Nähe des Fundorts“, so Narin. Er habe bereits bei Auffinden der Knochen versucht, diesem Hinweis nachzugehen.“ (haskala) […]